Der jüngste Himmelskörper im Sonnensystem wird die Diskussion darüber anheizen, was ein Planet und was ein Komet ist
Jetzt steht es endgültig fest: Xena, der im vergangenen Jahr entdeckte neue „Planet", misst etwa 3000 Kilometer im Durchmesser. Damit hat er Pluto, den kleinsten Planeten, klar an Größe überflügelt. Die Frage ist nun: gibt es bald zehn Planeten - oder nur noch acht?
Von Klaus Zintz
Noch heißt das jüngst entdeckte Mitglied unseres Sonnensystems offiziell 2003 ÜB 313. Aber der im Januar 2005 von dem US-Astronomen Mike Brown jenseits von Pluto im so genannten Kuipergürtel gefundene Himmelskörper hat natürlich schon einen Künstlernamen: Xenä, benannt nach einer Fernsehamazone. Und bereits bei der Entdeckung war klar, dass Xena das Zeug hat, einen alteingesessenen Planeten ordentlich in die Bredouille zu bringen: den in Beschaffenheit und Größe ähnlichen Pluto. Dieser war bei seiner Entdeckung im Jahr 1930 kurzerhand zum Planeten avanciert. Und an der Tatsache, dass unser Sonnensystem aus einer Sonne und neun Planeten besteht, mochte fortan niemand mehr rütteln. 1999 beschloss die zuständige Internationale Astronomische Union (IAU), dass Pluto mit seinem gerade einmal 2300 Kilometer großen Durchmesser ein Planet sei.
Doch dann wurde im Jahr 2004 Sedna entdeckt. Da sie mit 1700 Kilometer wenigs-
tens ein bisschen kleiner ist als Pluto, ließ sie sich noch einigermaßen seriös als Planetoid einstufen. Aber als Ende Juli 2005 die Entdeckung von Xena bekannt wurde und sich abzeichnete, dass dieser Himmelskörper mindestens so groß ist wie Pluto, geriet das Planetenweltbild wieder aus den Fugen: Ist
Xena nun der zehnte Planet im Sonnensystem? Oder muss man nicht eher Pluto den Planetenstatus aberkennen? Oder ist Xena vielleicht doch ein bisschen kleiner als Pluto? Diese Frage immerhin dürfte nach den jüngsten Forschungsergebnissen einer Arbeitsgruppe der Uni Bonn und des Max-
Planck-Instituts für Radioastronomie geklärt sein. Demnach ist Xena rund 3000 Kilometer groß. Damit avanciert sie zum größten im Sonnensystem gefundenen Objekt nach der Entdeckung von Neptun im Jahr 1846. Die Grundlage für diese Erkenntnis des deutschen Forscherteams lieferte Mambo 2. So heißt eine wärmeempfindliche Kamera, die am Max-Planck-Institut entwickelt und an einem Radioteleskop in Spanien installiert wurde. Die kombinierte Messung von Wärmestrahlung und optischer Helligkeit ergab nun 3000 Kilometer Durchmesser. Dies ist jetzt in dem britischen Wissenschaftsmagazin „Na-türe" veröffentlicht worden.
Und nun? „Da ÜB 313 deutlich größer ist als Pluto, wird es zunehmend schwieriger, Pluto einen Planeten zu nennen, aber ÜB 313 diesen Status zu verwehren." So dürfte es spannend werden, wenn sich die Astronomen im Sommer in Prag zur lAU-Generalver-sammlung treffen, die turnusgemäß alle drei Jahre abgehalten wird. Dann könnte die IAU Xena als zehnten Planeten anerkennen, wobei dann möglicherweise noch ein zu Pluto passender Name aus der antiken Mythologie gefunden werden müsste. Es kann aber auch sein, dass Pluto als neunter Planet von der Liste gestrichen wird - dann wären es nur acht. Derzeit beschäftigt sich eine von der IAU eingesetzte Arbeitsgruppe grundlegend mit diesem Problem: Sie soll die bisher nicht definierten Mindestanforderungen festlegen, die an einen Planeten zu stellen sind.
aus Stuttgarter Zeitung vom 2.2.2006
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