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Sexualität

Sicher verhüten

Stäbchen, Ring, Spirale: Welche Verhütungsmethode passt zu welcher Frau?
Vor- und Nachteile von Klassikern und Neuheiten

Erst eine heiße Liebesnacht, dann ein runder Bauch? Für viele Frauen kommt eine Schwangerschaft immer noch überraschend. Der Anteil an minderjährigen Müttern ist in Deutschland von 1998 bis 2000 laut „Focus" um 45 Prozent angestiegen. Kein Wunder, glauben nach Angaben des Magazins doch 20 Prozent der deutschen Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren, ein Tampon sei ein Verhütungsmittel. Dabei gibt es genügend Möglichkeiten, damit die schönste Nebensache der Welt unabhängig von Alter und Lebenssituation ohne unerwünschte Folgen bleibt.

Pearl-Index - was ist das?

• Der Pearl-Index gibt die Häufigkeit einer ungewollten Schwangerschaft bei Verwendung einer Verhütungs-methode an. Beispiel: Verhüten 100 Frauen zwölf Monate lang mit einer bestimmten Methode und zwei von ihnen werden schwanger, so liegt der Pearl-Index dieser Methode bei 2.

• Der Pearl-Index bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr liegt bei 80. Je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer die Verhütungsmethode.

Verhüten mit Hormonen
  1. Pille (Pearl-Index: 0,03 bis 0,1)

    Die heute üblicherweise verordnete Mikropille mit Östrogen- und Gestagenbestandteilen (Östrogenge-halt: 20 bis 30 ug) verhindert den Eisprung und reguliert den Zyklus neu. Sie wird 21 Tage lang eingenommen. Dann erfolgt eine siebentägige Pause, in der die Blutung einsetzt.
    4l Hohe Sicherheit; stabiler (dakünst-W licher) Zyklus mit regelmäßigen Blutungen. J|k Erhöhtes Thromboserisiko für W Frauen ab 35 Jahren und für Raucherinnen; erhöhtes Schlaganfallrisiko ebenfalls für Raucherinnen und bei hohem Blutdruck. Bei Durchfall oder Erbrechen ist die zuverlässigewirkung nicht mehr gewährleistet. Auch wenn frau eine Pille vergisst, ist sie nicht mehr sicher vor einer Schwangerschaft geschützt. Zudem kann in diesem Fall eine Zwischenblutung auftreten.
    Fozifc'Besonders geeignet ist die Pille für jüngere Frauen in einer festen Partnerschaft, die eine Schwangerschaft sicher ausschließen wollen.
    Junge Frauen mit wechselnden Sexualkontakten sollten auf jeden Fall zusätzlich mit Kondomen für Infektionsschutz sorgen (HIV Geschlechtskrankheiten).

  2. Vaginalring (Pearl-Index: 0,1 bis l).

    Elastischer Kunststoffring mit 5,4 Zentimetern Durchmesser, der geringe Hormonmengen direkt in die Schleimhaut der Vagina abgibt. „Damit fällt die tägliche Spitze in der Hormonkonzentration weg. Entsprechend geringer sind auch die Nebenwirkungen", sagt Prof. Klaus Vetter, Chefarzt der Klinik für Geburtsmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin. Den Ring können Frauen selbst einsetzen und nach drei Wochen herausnehmen. Dann setzt die Regelblutung ein.
    /A Hohe Sicherheit, kein „Termin-W stress", Wirkung bei Erbrechen oder Durchfall nicht beeinträchtigt. JA Trotz niedrigerer Östrogenmenge W bei empfindlichen Frauen Kopfschmerzen, Übelkeit, Brustspannen möglich; eventuell Fremdkörpergefühl beim Sex.
    Fazit: Geeignet für Frauen mit regelmäßigen sexuellen Kontakten, die eine größtmögliche Sicherheit wollen, ohne jeden Tag an die Verhütung denken zu müssen.

  3. Minipille (Pearl-Index: 0,4 bis 4,3).

    Im Unterschied zur „normalen" Pille enthält die Minipille ausschließlich Gestagen. Das Hormon verändert die Beschaffenheit des Schleims in Gebärmutterhalskanal und -Schleimhaut, so dass keine Spermien eindringen können und keine Eizelle sich einnistet. Es greift nicht in den Zyklus ein, der Eisprung findet statt. Jft Zuverlässige hormonelle Verhü-V tungsmethode, wenn Östrogene nicht vertragen werden. A MUSS auf die Stunde genau einge-W nommen werden - jeden Tag im Monat (Einnahmepause entfällt). Oft wird die Monatsblutung dadurch unregelmäßig oder entfällt. Schmierblutungen sind möglich.
    Fazit: Die Methode ist auch für Frauen in der Stillzeit geeignet, da nur wenige Hormone in die Muttermilch gelangen. In Untersuchungen konnte man bisher beim Säugling keine unerwünschte Erhöhung_des Hormonspiegels feststellen.

  4. Stäbchen/Stick (Pearl-Index: 0 bis 0,05). Flexibles, etwa vier Zentimeter langes Kunststoffstäbchen, das der Arzt unter lokaler Betäubung in den Oberarm einpflanzt. Der Stick gibt drei Jahre lang Gestagen ab. J| „Der Vorteil liegt vor allem in der If langfristigen Abgabe von Hormonen in niedriger Dosierung", so Prof. Vetter. Die Frau muss jahrelang nicht an Verhütung denken und ist trotzdem fast hundertprozentig vor einer Schwangerschaft geschützt. Feste Einnahmemuster wie bei den verschiedenen Pillen müssen nicht beachtet werden. Das ist ideal für Frauen, deren innere Uhr etwa durch Flugreisen oder Schichtarbeit aus dem Takt ist und die die (Mini-) Pille deshalb nicht pünktlich einnehmen könnten.
    A Das Stäbchen ist zwar unsichtbar, W aber ertastbar. Die Entfernung erfordert einen Hautschnitt. Gewöhnungsbedürftig: Wie bei der Minipille bleibt bei manchen Frauen die Regel ganz aus.
    Fazit: Sehr zuverlässige, langfristige und gut kontrollierbare Verhütungsmethode. Das Stäbchen kann jederzeit entferntwerden. Eine Schwangerschaft ist unmittelbar nach der Entfernung möglich.
  5. Hormonspirale/Intrauterinpessar (IUP) (Pearl-Index: 0,8 bis 2).

    Eine T-förmige Spirale, die Gestagen direkt in die Gebärmutterschleimhaut abgibt. Sie bleibt maximal fünf Jahre m der Gebärmutter.
    Jft Wie beim Stäbchen. Der Arzt kann Ir die Spirale jederzeit am Rückholfaden herausnehmen, falls die Frau schwanger werden möchte. |j| Bei falschem Sitz können Schmer-W zen auftreten; es besteht ein erhöhtes Entzündungsrisiko; Abschwächung bis Ausbleiben der Regel, anfängliche Zwischenblutungen und Stimmungsschwankungen sind möglich.
    Fazit: Als langfristige Verhütungsmethode besonders geeignet für reifere Frauen, die ihre Familienplanung bereits abgeschlossen haben. Wegen der niedrigen Dosierung besonders geeignet für die Phase ab vier Wochen nach der Geburt. Die Zusammensetzung der Muttermilch wird nicht nach-1 teilig beeinflusst; unerwünschte Wir- ^ kungen beim Säuglingwurden bislang 8. nicht festgestellt.

Verhüten ohne Hormone
  1. Spirale (Pearl-Index: 0,8 bis 6). Die Kupferspirale mit flexiblen Seitenarmen wird vom Arzt eingesetzt. Die Kupferionen beeinflussen das Milieu in der Gebärmutter so, dass sich Sper-mien nicht einnisten können. /A Kann bis zu fünf Jahren in der Ge-V bärmutter bleiben. Schon im ersten Zyklus nach dem Herausnehmen ist eine Schwangerschaft möglich. A Schmerzhaftere, stärkere Regel-y blutungen; Risiko von Infektionen über den Rückholfaden und Eileiterschwangerschaften. Fazit: Alternative für Frauen, die keine Kinder mehrwollen, sich aber auch nicht sterilisieren lassen möchten.
  2. Kondom (Pearl-Index: 0,7 bis 5). Schützt nicht nur vor Schwangerschaft, sondern auch vorAids und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Statt Latex- gibt es Kunststonkondome für Allergiker. ^ '.\ M Leicht erhältlich, preiswert, wird W nur bei Bedarf angewendet. A Kann bei unsachgemäßer Anwen-W düng keinen zuverlässigen Schutz gewährleisten; die Handhabung stört eventuell das Liebesspiel. Fazit: Gut geeignet für Frauen mit nur gelegentlichen sexuellen Kontakten und/oder wechselnden Sexualpartnern. Die zusätzliche Verwendung von Spermiziden (siehe Punkt 5) erhöht die Sicherheit.
  3. Femidom (Pearl-Index: 3,5 bis 26). Das „Kondom für die Frau" besteht aus Polyurethan und ist daher auch für La-tex-AUergikerinnen geeignet. Die Frau führt das schlauchartige Femidom in die Vagina ein. M Schützt zusätzlich vor Krankheits-V erregern, da es die ganze Scheidenschleimhaut bedeckt. D| Komplizierte Anwendung, äußerer W Ring kann beim Sex stören. Fazit: Alternative zum Kondom; gewöhnungsbedürftige Handhabung.
  4. Diaphragma (Pearl-Index: 2 bis 2,5). Flache, aus Naturgummi (Latex) bestehende Halbschale mit biegsamem Metallrand, die vom Arzt angepasst und auf den Muttermund aufgesetzt wird. Dort bildet sie eine künstliche Wand in der Scheide, die verhindert, dass Spermien in die Gebärmutter eindringen. Spermizide, die zusätzlich angewendet werden, töten Samenzellen ab, die um den Rand des Diaphragmas herum schwimmen. |ft Wird nur bei Bedarf eingesetzt; hält V etwa ein Jahr. ^ Darf nicht angewendet werden bei W Überempfindlichkeit gegen Latex; eventuell Schmerzen beim Tragen (muss mindestens acht Stunden nach dem Verkehr in der Scheide bleiben), Zuverlässigkeit abhängig vom exakten Sitz, verstärkter Ausfluss möglich. Fazit: Geeignet für Frauen, die nicht in die biologischen Abläufe ihres Körpers eingreifen wollen.
  5. Spermizide (Pearl-Index: 5 bis 42). Vaginalzäpfchen, Salben, Cremes und Gels mit Spermien abtötender Wirkung. Nur als zusätzlicher Schutz (z. B. zu Kondomen) empfehlenswert. Damit die Wirkung sich voll entfalten kann, müssen Spermizide mindestens zehn Minuten vor dem Sex eingeführt werden. Vorsicht: Manche Spermizide greifen Latex an. Fragen Sie in der Apotheke, welche Mittel sich mit Kondomen kombinieren lassen. Jft Relativ einfache Handhabung; An-W wendung nur bei Bedarf. H| Allergien und Juckreiz in der Schei-W de sind möglich. Die Mittel können sich temperaturabhängig verflüssigen und auslauten. Fozit: Nur in Kombination mit weiteren Verhütungsmitteln zu empfehlen.
Verhüten durch natürliche Familienplanung
  1. Symptothermale Methode (Pearl-Index: 0,5 bis 3). Kombiniert Temperaturmessung, Schleimbeobachtung und die Wahrnehmung von weiteren Anzeichen (Brustspannen, Öffnen des Muttermundes), die die fruchtbaren Tage ankündigen. Jtt Keine Nebenwirkungen, kein Ein-W griff in die Biologie des weiblichen Körpers, Verhütungsmaßnahmen nur an den kritischen Tagen nötig. ^ Nicht geeignet bei unregelmäßigen W Tagesabläufen, unausgeglichenen Zyklen oder wenn sich eine fieberhafte Erkrankung anbahnt. Fazit: „Diese Methode, die ein ganzes Programm umfasst, ist geeignet für Frauen, die sich selbst erleben wollen", sagt Prof. Vetter. Wer die Methode testen will, sollte sich vom Frauenarzt beraten lassen oder sich in speziellen Kursen darüber informieren. Tabellen zur Aufzeichnung der Daten gibt es zum Beispiel im Internet bei www.profamilia.de
  2. Verhütungscomputer (Pearl-Index: 6 bis 7). Elektronische Geräte, die bei der Aufzeichnung von Daten zur Ermittlung fruchtbarer und unfruchtbarer Tage helfen. Sie speichern die täglicheAufwachtemperatur, erinnern per Memory-Funktion an den genauen Messzeitpunkt am Morgen oder ermitteln anhand der Hormonkonzentration im Urin die kritischen Tage. Durch das Speichern der Daten werden die Geräte mit jedem Monatszyklus „klüger".