StrahlenphysikAlpha-StrahlungBeta-Strahlung Gamma-Strahlung Röntgen-Strahlung Neutronen-Strahlung Direkte und indirekte Ionisation Linear Energy Tranfer (LET) Dosisbegriffe und Maßeinheiten Halbwertszeiten (HWZ) Strahlenexposition Alpha-StrahlungUnter der Alpha-Strahlung versteht man das Aussenden von beschleunigten Heliumkernen aus dem Atomkern beim Zerfall eines Radionuklids.Ein Radium-226 Atom, welches instabil ist, besitzt 88 Protonen und 238 Neutronen. Bei dem folgenden Alpha-Zerfall wird ein Alpha-Teilchen, bestehend aus 2 Protonen und 2 Neutronen, aus dem Atomkern geschleudert. Aus Radium entsteht als neues Element Radon.
Das neu entstandene Radon gibt 2 Hüllenelektronen an die
Umgebung ab. Das Alpha-Teilchen wird durch Wechselwirkungsprozesse
mit der umgebenden Materie abgebremst bis es schließlich zwei
Elektronen aus der Umgebung aufnehmen kann, dabei entsteht
Helium.
Beta-StrahlungBeim Beta-Zerfall werden Elektronen aus dem Kern eines Radionuklids ausgesandt. Man unterscheidet zwischen zwei Arten des Beta-Zerfalls :Betaminuszerfall (Negatronenzerfall): Reaktionsgleichung des Zerfalls eines Kernneutrons :
Beispielreaktion eines Betaminus-Zerfalls :
Betapluszerfall (Positronenzerfall): Reaktionsgleichung des Zerfalls eines Kern-Protons :
Beispielreaktion eines Betaplus-Zerfalls :
Gamma-StrahlungBeim Gamma-Zerfall sendet ein energiereicher (angeregter) Atomkern eine elektromagnetische Wellenstrahlung (Gamma-Quant) im keV- bis MeV-Bereich aus. Der Zustand diese Atomkerns wird auch metastabiler Zustand genannt und mit m bezeichnet (zB. Tc99m). Beim Gamma-Zerfall wechselt das Atom von einem höherenergetischen zu einem niederenergetischen Niveau.
Gammastrahlung entsteht auch bei fast allen Kernumwandlungen begleitend zu anderen Zerfallsarten.
Röntgen-StrahlungDie physikalische Natur der Röntgenstrahlung ist identisch mit der der Gamma-Strahlung. Nur durch ihre Entstehungsart unterscheiden sich diese Photonenstrahlungen. Röntgenstrahlen werden mit Hilfe von Röntgenröhren erzeugt. Dabei stehen sich in einer luftleeren Glasröhre eine Anode und eine Katode gegenüber. Aus der glühenden Kathode treten Elektronen aus, die durch eine hohe Spannung zwischen Kathode und Anode beschleunigt werden. Treffen diese z.B. auf eine Wolframanode, kann dabei Röntgenstrahlung entstehen.Neutronen-StrahlungNeutronenstrahlung besteht aus elektrisch neutralen Teilchen (Neutronen), zum Beispiel wenn eine spontane oder künstliche Kernspaltung auftritt, wie auch begleitend bei Kernreaktionen, die beispielsweise in den oberen Schichten der Atmosphäre durch eine Kollision kosmischer Primärteilchen mit den Luftmolekülen ausgelöst werden können.
Direkte und indirekte IonisationDirekte IonisationDirekte Ionisation entsteht durch Einstrahlung von von geladenen, beschleunigten Teilchen, beispielsweise Elektronen-, Protonen- oder AlphastrahlungIndirekte IonisationEinstrahlung von ungeladenen Teilchen, zum Beispiel thermische oder schnelle Neutronenstrahlung. Diese Strahlung wird von Atomen eingefangen, oder erzeugt beim Zusammenprall mit den Atomkernen elastische Stöße, wodurch geladene Teilchen entstehen, die Energie übertragen. Zur indirekten Ionisation gehört aber auch die Einstrahlung elektromagnetischer Wellen (Röntgen-,Gamma- oder Photonenstrahlen). Die sogenannte Quantenstrahlung wirkt über die drei im physikalischen Teil erwähnten Prozesse der Photoabsorption, der Comptonstreuung und der Paarbildung.
EElektron = Energie des
Photoelektrons Beim Photoeffekt werden bevorzugt stark gebundene Elektronen aus den kernnahen Schalen (z.B. K-Schale) entfernt. Der Photoeffekt tritt vorzugsweise bei kleinen Quantenenergien EPhoton und großen Kernladungszahlen Z des Absorbermaterials auf. Der ergibt sich aus:
Linear Energy Transfer (LET)Der Begriff LET bedeutet linear energy transfer ( lineares Energieübertragungsvermögen) stammt aus der Dosimetrie ionisierender Strahlen und beschreibt die Energieabgabe eines ionisierenden Teilchens an die durchstrahlte Materie. Das lineare Energieübertragungsvermögen ist gleich der Energie dE, die ein geladenes Teilchen auf einer Wegstrecke dl verliert. L= dE/dl. Die Masseinheit der LET ist keV/µm. Da diese Größe mit meßtechnischen Mitteln schwer zu erfassen ist, wird der Energieverlust dE entlang der Strecke dS des ionisierenden Teilchens erfaßt. Somit erhält man ein indirektes Maß für die Anzahl der erzeugten geladenen Teilchen. Am besten läßt sich die Wirkung der Energieleitung anhand von Molekülen in wäßriger Lösung erklären. Dieses Beispiel ist auch daher wichtig, da biologisches Gewebe, ob pflanzlich oder tierisch, zu einem hohen Anteil aus Wasser besteht. In der wässrigen Lösung wird dieser Vorgang über die Radiolyse des Wassers bewirkt.Die Ionisationsbremsung geladener Teilchen (auch Sekundärteilchen) ist auf Anregung und Ionisation umgebender Materie zurückzuführen. Die Ionisationswirkung hängt nicht nur von der Größe der herrschenden Kräfte ab, sondern auch von der Zeitdauer der Einwirkung, Aus diesem Grunde können langsame geladene Teilchen stärker ionisieren als schnelle Teilchen. Ein Maß für die Strahlenwirkung ist die Energie, die pro Weglänge in Materie übertragen wird. Der spezifische (mittlere) Energieverlust E entlang einer Wegstrecke x läßt sich in drei Anteile aufspalten:
I Energieabnahme E pro Weg x durch
Ionisation Von praktischer Bedeutung, weil am wahrscheinlichsten, ist nur der erste Term. Er hängt sowohl von den Eigenschaften der geladenen Teilchen (Ladung, Geschwindigkeit, Energie) als auch von denen des abbremsenden Stoffes (Dichte, Ionisierungsenergie) ab. Andere Bezeichnungen für den spezifischen Energieverlust pro Weg sind das (Ab)Bremsvermögen, die lineare Energieübertragung, bzw. linear energy transfer , LET. Der Zusammenhang zwischen spezifischem Energieverlust und spezifischer Ionisation ist gegeben durch
Ip = Zahl der Ionenpaare Der Energieübertrag bei Alphastrahlung
(Animation)
pro Wegstrecke ist besonders hoch, daher die kurze Reichweite
dieser Strahlung. Der Energieübertrag bei Gammastrahlung (Animation)
pro Wegstrecke ist geringer, daher die große Reichweite dieser
Strahlung. Eine komplexe Animation
zur Einwirkung von Gammastrahlung auf einen Zellverband
kann hier betrachtet werden (Achtung: 760 kB - lange
Ladezeit). Der Energieübertrag bei Neutronenstrahlung (Animation)
pro Wegstrecke ist stark von der Energie dieser Srahlung
abhängig. Dosisbegriffe und MaßeinheitenDie Dosis ist ein Maß für eine näher anzugebende Wirkung von Strahlung. Man unterscheidet im Einzelnen folgende Dosisbegriffe :Die Energiedosis gibt die gesamte (von unbestrahlter Materie) absorbierte Strahlungsenergie an. Die Einheit ist Joule (übertragener Energie) pro Kilogramm (absorbierender Masse). Sie wird in der Einheit Gray angegeben : 1 J/kg = 1 Gray (Gy) Die Äquivalentdosis ist bedeutsam für den Strahlenschutz und berücksichtigt unterschiedliche biologische Wirkungsmöglichkeiten verschiedener Strahlungsarten. Sie setzt sich aus der Energiedosis und einem Qualitätsfaktor, der die Strahlenarten berücksichtigt, multiplikativ zusammen. Die Äquivalentdosis wird in der Einheit Sievert angegeben : 1 J/kg = 1 Sievert (Sv) Übersicht über die heute verwendete Größen und
Einheiten,sowie die Beziehung zu früher verwendeten Einheiten:
Halbwertszeiten (HWZ)Physikalische HalbwertszeitBiologische Halbwertszeit Effektive Halbwertszeit Physikalische HalbwertszeitDer Zerfall eines radioaktiven Atom läßt sich nicht vorhersagen Es kann in der nächsten Sekunde oder auch erst in Tausenden von Jahren zerfallen. Bei einer großen Anzahl von Atomen kann eine Wahrscheinlichkeitsaussage über den zeitlichen Ablauf des Zerfalls getroffen werden. Es wird unterschieden zwischen der biologischen, physikalischen und effektiven Halbwertzeit. Es zerfällt z.B. von einer Menge Wasserstoff-3 (Tritium) in ca. 12,3 Jahren die Hälfte der Atome, nach weiteren 12,3 Jahren ist von dem verbliebenen Rest wiederum die Hälfte zerfallen usw. Die physikalische Halbswertzeit ist für jedes Radionuklid eine charakteristische Größe. In der folgenden Tabelle sind Halbwertszeiten für einige Elemente angegeben.
Biologische HalbwertzeitRadioaktive Stoffe können auf verschiedene Wegen in den menschlichen Körper gelangen. Die Aufnahme der Radionuklide geschieht über folgende Mechanismen:
Die vom Körper resorbierten und in bestimmten Organen
gespeicherten Radionuklide werden im wesentlichen mit dem Kot
oder mit dem Urin ausgeschieden. Die Ausscheidung der
radioaktiven und stabilen Nuklide geschieht etwa in gleichen
Zeitabschnitten. Aufgrund dieser Erfahrungswerte kann eine
biologische Halbwertszeit definiert werden. Die biologische
Halbwertszeit gibt an, nach welcher Zeit die Hälfte eines vom
Körper absorbierten radioaktiven oder stabilen Nuklids
ausgeschieden wird. In der folgenden Tabelle habe sind einige
biologische Halbwertszeiten angegeben.
Effektive HalbwertszeitDie effektive Halbwertszeit setzt sich aus der physikalischen Halbwertszeit und der biologischen Halbwertszeit zusammen. Sie gibt an, in welchem Maße die Aktivität eines Radionuklids durch radioaktiven Zerfall und biologische Ausscheidungsvorgänge im Körper abnimmt. Die effektive Halbwertszeit ist von zentraler Bedeutung für die Strahleneinwirkung der in den Organismus aufgenommenen Radionuklide. Sie wird nach der folgender Formel berechnet:
Strahlenexposition
Mittlere zivilisatorische Strahlenexposition
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